Rasiermesser richtig schärfen. von Leonhard Ullrich

Polierpaste und Abziehen

1. Muss ich mein Messer unbedingt auf einem Lederriemen mit Polierpaste abziehen?

Ich merke deutlich den Schärfeunterschied von Messern, die auf einem Leder abgezogen wurden und solchen, die nicht abgezogen wurden. Wenn die Rasierprobe in beide Richtungen am Arm funktioniert, dann ist ein Messer gut abgezogen. Dies ist meiner Meinung nach ohne Lederriemen mit Polierpaste nur schwer zu bewerkstelligen und erfordert sehr feine und auch teure Steine. Mit einem Lederriemen mit guter Polierpaste ist dies recht einfach und schnell erledigt.

Im folgenden Video könnt Ihr sehen, wieviel das Abziehen auf einem Lederriemen mit Polierpaste wirklich bringt.



2. Wie behandle ich einen Lederriemen mit Polierpaste richtig?

Je nach Polierpaste wird der Lederriemen unterschiedlich behandelt.

Im folgenden Video zeige ich, wie Ihr einen Lederriemen mit der grauen flüssigen Polierpaste aus dem Einsteigerset behandelt.



Lederriemen können auch mit festen Polierpastenblöcken, die eigentlich für den Einsatz mit Schwabbelscheiben gedacht sind, behandelt werden, wie im folgenden Video gezeigt wird.



Und hier erfahrt Ihr, wie ihr den Lederriemen mit Pigmenten wie Chromoxid (Scherenkauf oderAmazon) oder auch Eisenoxid und Lederöl (Scherenkauf oder Amazon) behandelt, ideal für feinste Schneiden aus rostenden Stählen, wie Rasiermesser oder auch manche Kochmesser aus Kohlenstoffstahl.



3. Auf welche Seite vom Leder trage ich die Polierpaste am besten auf?

Bei feinen Polierpasten, wie sie zum Abziehen von Messern verwendet werden, trage ich die Polierpaste auf der glatten Seite des Lederriemens auf.  Die faserige Seite ist beim Abziehen undefinierter (erzeugt meist eine etwas balligere Schneidkante), dafür erfolgt aber das Einziehen schneller. Das Abziehen erscheint mir mit der glatten Seite kontrollierter, da das Leder hier weniger nachgibt. Ich nehme inzwischen nur noch die glatte Seite zum Abziehen mit Polierpaste, da ich hier auch mal mit mehr Druck arbeiten kann, ohne dass die Schneide zu sehr verrundet.

4. Wieviel Polierpaste muss ich auf den Lederriemen auftragen und wie behandle ich einen Lederriemen damit?

Bevor ich die graue Polierpaste aus der Spritze auf dem Lederriemen verteile, öle ich den Lederriemen mit ein paar Tropfen LederölBense & Eicke Lederöl(Scherenkauf oder Amazon) oder alternativ

Ballistol Ballistol Spray 1zu1 (zur Not geht auch Olivenöl (kann aber ranzig werden mit der Zeit) ein,

das ich schnell dem dem Finger verteile und gleich darauf die Polierpaste auf dem Leder verteile. Nicht zuviel von dem Öl nehmen, sonst wird das Leder zu weich und gibt beim Abziehen zu sehr nach. Auch mit der Polierpaste sollte sparsam umgegangen werden, sonst trägt der Riemen zu schnell Material vom Messer ab und verrundet die Schneide. Er soll aber nur den Grat entfernen.

Durch das Öl kann der Lederriemen die Paste nicht so gut aufnehmen, dadurch könnte ihr mit weniger Paste (ein etwa erbsengrößer Klecks Polierpaste reicht für einen Lederriemen von 20 cm x 5 cm) die Lederfläche vollflächig bestreichen. Allerdings haftet die Polierpaste dadurch nicht so gut am Lederriemen. Daher lasse ich den Lederriemen nach der Behandlung ersteinmal über Nacht einziehen. Danach nehme ich ein Messer mit gerade glatter Schneide, lege es unter einem sehr flachen Winkel auf den Lederriemen und ziehe es mit größerem Druck über das Leder. Dadurch drücken sich die Schleifpartikel tiefer in die Lederoberfläche hinein. Das Ergebnis ist ein Lederriemen der nur mit wenig Polierpaste behandelt worden ist und so optimal auf das Abziehen vorbereitet wurde.

5. Ich habe kein Lederöl oder Ballistol, welches Öl soll ich stattdessen nehmen?

Wenn man kein Lederpflegeöl im Hause hat, dann kann man zur Not auch Olivenöl nehmen. Es könnte zwar sein, dass nach einiger Zeit das ranzig wird, aber das tut der Wirkung des Lederriemens keinen Abbruch. Nur bitte wie gehabt nicht zuviel Öl nehmen, sonst zieht die Paste nicht richtig ein und der Lederriemen wird zu weich. Ein zu weicher Lederriemen gibt zu sehr nach beim Abziehen, was dazu führt, dass die Schneidkante ein wenig verrundet.

6. Wie trage ich harte blockförmige Polierpaste am besten auf?

Habe ich eine seifenstück- oder blockförmige Polierpaste, wie die von Dick oder Unipol, so reibe ich mit dem Block über den Lederriemen, so dass einige Krümel abbrechen. Diese reibe ich dann mit dem Finger unter hohem Druck ins Leder ein. Hier schaffe ich es nie eine gleichmäßige Abdeckung hinzubekommen, was aber nicht so schlimm ist. Am Ende gebe ich noch ein wenig Lederöl auf den Riemen und verteile das ganze, dabei wird die Polierpaste etwas vergleichmäßigt.

Inzwischen nutze ich allerdings fast nur noch die graue Polierpaste in der Spritze, die deutlich einfacher zu verteilen geht.

7. Wann muss ich die Polierpaste auf dem Lederriemen erneuern und wie reinige ich ihn?

Ich erneuere die Polierpaste auf dem Leder erst, wenn sie den Grat nicht mehr entfernt. Das ist je nach Qualität der Paste erst nach dem Abziehen etlicher Messer (bei der grauen Polierpaste von Scherenkauf sind es je nach Messerart ca. 20 bis 50 Messer) der Fall. Bei der Polierpaste von Dick waren es etwa 15 bis 30 Messer. Bei Chromoxidriemen beschichte ich erst nach 100 bis 200 Messern neu.

Bevor ich die Polierpaste auf dem Lederriemen erneuere, versuche ich, ob ich mit ein wenig (bitte nicht zuviel, ein paar Tropfen reichen) Öl, das ich mit dem Finger fest in die Lederoberflläche einreibe, wieder ein wenig Schleifpartikel an die Oberfläche holen kann. Danach einfach mal probieren, ob das Abziehen funktioniert. Nur wenn das nicht klappt, trage ich nach der unter 3 oder 4 beschriebenen Methode die Polierpaste auf den Lederriemen auf. Meist funktioniert der Trick mit dem Öl 2 bis 3 Mal, bevor man neu beschichten muss.

Der Lederriemen wird immer schwarz werden mit der Zeit, das ist der Metallabrieb. Diese Färbung bekommt man nicht mehr richtig weg. Wenn man vor dem Neubeschichten den Lederriemen reinigen will, kann dies mit einem alten Stofflappen, wie einem Küchenhandtuch machen, der in ein wenig Brennspiritus getränkt wurde. Dadurch wird der Lederriemen leicht entfettet, das ist wichtig, da er bei der folgenden Neubeschichtung mit Polierpaste ja wiedermit mit Lederöl behandelt wird und ansonsten zu weich wird.

8. Warum soll ich das Messer nach dem Abziehen auf einem Leder nochmal durch ein Stück Hartholz ziehen?

Bei manchen Stählen kann es sein, dass auch nach dem Abziehen mit Lederriemen und Polierpaste noch minimale hartnäckige Restgrate an der Schneide bleiben. Solche Messer ziehe ich dann mit der Schneide zwei oder dreimal durch ein Stückchen Hartzholz (einfach ein kleiner Ast von einem Obstbaum, ein Schneidbrett aus Holz oder Kunststoff oder zur Not über den Fingernagel). Diese Gratreste bleiben oft daran hängen und wenn ich danach noch dreimal pro Seite über den Lederriemen gehe, ist die Schneide entgratet.

Bleibt die Schneide noch irgendwo hängen, wenn ich sie über den Nagel ziehe, dann könnte es auch sein, dass ich auch eine Kerbe noch nicht ganz rausgeschliffen habe. Dann muss ich zurück auf den Schleifstein, wenn es eine größere Kerbe ist. Kleine Kerben lasse ich auch oft stehen, die verschwinden dann beim nächsten Schärfen von selbst.

9. Reicht die graue Polierpaste für meine Messer?

Ich nutze die graue PolierpasteScherenkauf Polierpastefür fast alle meine Messer, sie ist eine hochprozentige Siliziumkarbidpaste die recht fein ist. Im Anschluss an Schleifsteinkörnungen von bis zu 6000 habe ich damit gute Erfahrungen gemacht. Bei feineren SchleifsteinenHonyama Bruchstein, wie ich sie für Rasiermesser einsetze, ist die Feinheit der grauen Paste nicht mehr fein genug. Stattdessen greife ich auf einen Lederriemen, der mit Chromoxid behandelt wurdeChromoxidriemen 16zu9 zurück. Das Chromoxid ist feiner als die graue Paste, macht aber wirklich nur bei richtig feinkörnigen rostenden Rasiermessern und rostenden japanischen Messern Sinn.

Nur für Rasiermesser gibt es dann im Anschluss an den Chromoxidriemen das noch feinere Abziehleder mit EisenoxidbeschichtungEisenoxidriemen. Die kann noch ein klitzekleines bisschen Maximalschärfe aus rostenden Rasiermessern herauskitzeln. Aber man muss schon sehr genau hinsehen, um den Unterschied wahrnehmen zu können.